Der Weg vor lauter Pfaden

Liebe Social-Network-Gemeinde, niemandem von euch ist das kürzlich veröffentlichte Path-Update entgangen. Vor diesem Update war mein Mitbewohner Roman über ein Jahr lang mein einziger Kontakt dort, weil die App einfach niemand benutzt hatte – sie war nur für enge Freunde gedacht, und die erreichte ich entweder im Nebenzimmer oder via WhatsApp.

Nun bringt Path dieses Augenkrebs-heilende Update und alle, einschließlich ich, springen in die Luft vor lauter Interface-Begeisterung. Auf den ersten Blick hat es Path geschafft, vom Mauerblümchen der Social-Network-Apps zum funkelnden Pfau zu werden. So viel Liebe, Klarheit und Smoooothness im Detail war noch nicht oft auf dem iPhone Screen zu sehen.

Auf den zweiten Blick hat es Path geschafft, ein absolut grandioses Interface für eine absolut nicht relevante App zu schaffen. Damit meine ich nicht direkt, dass Path total blöd und nutzlos ist, aber sind wir mal ehrlich: So viel, wie wir sharen sollen, kann doch keiner sharen! Ich muss meine Real-Life-Freunde auf Facebook updaten, auf Twitter muss ich cool für die Web-Gemeinde wirken, via Foursquare checke ich hier und dort ein und auf Path soll ich sowohl all die gerade genannten Infos und zusätzlich noch meine Einschlaf- und Aufwachzeiten posten? Puh. Irgendwie meine ich damit wohl doch, dass Path ein wenig nutzlos ist. Wir haben schon tausend Kanäle für all die überflüssigen Infos, warum sollte noch ein weiterer hinzugesynct werden?

Ich weiß, Socializen macht Laune. Aber wir, die wir warscheinlich alle irgendwie im Bereich Digitalität und Internet und Coolness arbeiten, sollten doch am Schnellsten merken: Das ist Information-Overkill, der wirklich irrelevant ist (ich finde es tatsächlich nicht sonderlich relevant zu wissen, wann und wo meine besten Freunde aufstehen).

Nun kann man sagen: So ist das mit der App-Kultur, es gibt nunmal verschiedene Anbieter die die gleichen Funktionen bieten, und Path macht das eben total schick und weniger unbequem. Darum geht es auch nicht, ich finde nur, dass wir langsam die Begeisertung für Apps an sich etwas zurück schrauben und beginnen sollten, uns Gedanken über deren tatsächliche Anwendung zu machen. Wir sollten wieder mehr darauf achten, was wir eigentlich an wen ins Internet pusten – weniger wegen der Wackeligkeit unserer Privatsphäre, als vielmehr, weil es einen Großteil der Rezipienten vermutlich überhaupt nicht interessiert.

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