Data Diary: Jahresstarts

Ich weiß nicht wirklich, woran es liegt, aber zu jedem Jahresstart bricht die Gemütslage meines Bekanntenkreises immer in ein unerklärliches Tief. Egal, wie sehr sich alle auf den Jahreswechsel und den Neustart und die Silvestersause freuen – am Ende sind alle traurig oder sauer oder enttäuscht und die Champagnerstimmung wandert kurz vor Null Uhr in den Keller.

Warum ist das so? Sind es die Erwartungen, die beim Gegenübertreten plötzlich zusammen schrumpeln und braun werden? Oder sind es wirre Ängste, dass der Neustart gar nicht so neu wird wie erhofft? Sind es vielleicht Zwischenmenschlichkeiten, deren Wendepunkt man erzwingt, nur weil das Jahr wechselt?

Bei mir war das am vergangenen Silvester so. Alles ging irgendwie schief, ganz kurz vor Silvester, und ich hatte keine Lust auf Feiern und auf das neue Jahr und sowieso auf überhaupt nichts. Meine Laune war wortwörtlich am Boden angelangt – und vielleicht ist das der springende Punkt: Gibt es denn eine bessere Grundvoraussetzung für ein neues Jahr, als eine Stimmung am Nullpunkt? Kann man ein Jahr besser starten als mit der Gewissheit: Alles kann nur besser werden? Im Nachhinein klingt das ganz plausibel. Der absolute Knaller war 2011 aber auch nicht.

Dieses Jahr war meine Laune allerdings herausragend! Während für einige meiner Freunde die Welt zusammen brach, brachten mir die letzten Tage in 2011 das, was das Jahr und sein Vorjahr zu einem runden Abschluss brachte. Und ich wusste: Silvester ist Unsinn. Jedmögliches Hochschaukeln eines irrelevanten Jahreswechsels kann dir diese Ausgewogenheit zerstören.

Denn war gibt es besseres, als das neue Jahr ausgewogen und nicht an einem emotionalen Nullpunkt, sondern an einem Neutralpunkt zu starten? Mir fällt keine ein! Silvester brauch ich nicht. Nächstes Jahr wieder: Pizza und Filme und Freunde im Bett. Und Null Uhr an sich vorbei ziehen lassen.

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